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Logbuch vom 10.07.07.- 24.07.07
So ist das beim Segeln. Nun kam der Mistral und wir können nicht nach Sizilien segeln. Gewöhnlich bleibt der Mistral drei Tage und wir beschließen am dritten Tag, den 12.07.07 um 11.45 Uhr, loszusegeln um noch Wind zu haben. Neben uns liegt ein schwedisches Schiff, die Maskot, die mit uns segeln wollen. Entgegen der Wettervorhersage, die immer noch halbstündlich Starkwind meldet, segeln wir bei Nordost 3Bf mit 4kn. Um 23.00 Uhr schläft der Wind ganz ein und wir motoren. Gegen 7.00 Uhr kommt Ostwind auf. Hoffentlich wird der nicht stärker, da wir ja nach Osten wollen. Um 15.00 Uhr kommt Wind auf Ost Nordost 2-3 Bf. Wunderbares Segeln 5.2kn mit vollen Segeln bei wenig Welle. Der Wind nimmt weiter zu. 16.00 Uhr, wir müssen reffen. Mit zwei Reffs im Großsegel geht es immer noch gut voran. Der Wind dreht weiter auf Ost und leider steht auch noch Strömung gegen uns. Ab 23.00 Uhr motoren wir gegen Wind und Welle an. Leider nur mit knapp 2kn, so dass wir für die letzten 9sm noch bis um 3.00 Uhr in der Nacht brauchen. Wir versuchen im Hafen anzulegen, aber ein Mann erlaubt nicht, dass wir uns an den Steg legen und zeigt auf einen anderen Anleger. Der Wind bläst schräg von hinten, da packt eine Böe die Temptation und drückt sie auf den Steg. Ein hässliches Geräusch. Fritz fährt rückwärts aus dem Hafen und wir legen uns im Hafeneingang vor Anker. Nicht erlaubt, aber schön ruhig schlafen wir erst einmal eine Runde. Als es morgens hell wird, verholen wir uns an eine andere Stelle in der Bucht. Wunderschön vor steilen Felsen und einer Sandbucht fällt der Anker in türkisfarbenem Wasser. Noch einmal in die Koje, Schlaf nachholen. Gut ausgeschlafen repariert Fritz die kaputte Stelle am Bug. War doch nicht so schlimm, wie es sich angehört hatte. Wir schwimmen in schönem Wasser und langsam wird es voll am Strand. Fritz befreit die Temptation von Algenbewuchs. Ob wir doch nicht das richtige Antifouling bekommen haben? Wir gehen mit dem Dingi an Land und schauen den Ort Capo San Vito an. Es herrscht reger Urlaubsverkehr. Die Stadt ist eher ein Dorf und hat bis auf die alte Festungskirche nicht sehr viel anzuschauen. Aber wir kaufen gut ein - frische Nudeln, Brot, leckeren Schinken, Käse, Wein und Obst. Natürlich essen wir auch ein Eis, welches vorzüglich schmeckt. Am Abend trinken wir den Sundowner auf der Maskot, die nun in schnelleren Schritten weiter gehen, weil sie bis ins Rote Meer wollen.
16.07.07 Anker auf, um nach Palermo zu motoren. Wir versuchen über Funk einen Liegeplatz zu bekommen, aber es antwortet niemand. Wir kreisen in einer stinkenden Brühe im Hafen und Fritz probiert es erneut. Nichts, also wieder zurück in die Marina Villa Igiea. Dort bekommen wir einen Platz für 88€ die Nacht ohne Strom. So können wir nur diese Nacht bleiben. Um überhaupt etwas von Palermo zu sehen, machen wir uns am Nachmittag auf. Da sehen wir nicht weit entfernt noch einen kleinen Hafen mit hauptsächlich Motorbooten. Fritz fragt nach einem Platz und wir haben Glück, dass der Mann gut Englisch spricht. Da die Temptation ein kleines Schiff ist, können wir einen Platz ergattern. 75€ für 3 Tage inklusive Strom und Duschen. Glücklich gehen wir zurück zum Schiff und sind froh, dass wir uns nun doch Palermo anschauen können.
17.07.06 Festgemacht im Club Nautico in Arnella an. Der Club hat einen aktiven Kanuclub und wir schauen ca. 20 Jugendlichen beim Training zu. Die Sanitäranlagen liegen in einem alten Gebäude, welches früher einmal zu einer Kaserne gehörte. Nun ist dort ein Restaurant untergebracht. Zu Fuß schauen wir uns in dem Vorort von Palermo um. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Kleine dreirädrige Autos beladen mit Obst und Gemüse andere mit Fisch oder Fleisch. Wieder andere mit Kleidung oder Bürsten, Besen und Waschpulver fahren durch die Gassen. Aus den oberen Stockwerken lassen die Menschen Körbe an Seilen herunter, welche die Händler mit ihren Waren beladen. Am Stadtstrand tummeln sich die Kinder im Wasser. Da wir nicht wissen, wie sauber das Wasser ist, verzichten wir auf ein Bad. Weiter geht es durch ein Tor zu einem alten Fabrikgelände. Die meisten Gebäude stehen leer und sehen verfallen aus. Vereinzelt entstehen neue Gewerbe. Ein Baustoffhandel, die Post, eine Autowerkstatt und auch eine Trattoria sind zu sehen. Am Nachmittag sehen wir vom Schiff aus, dass der Pizzaofen angeheizt wird und die Tische gedeckt werden. Mindestens 40 Tische sind zu sehen. Ob die wohl alle besetzt werden? Um 20.00 ist erst ein Tisch besetzt , aber wir haben Hunger. Bestellen Antipasti und essen leckere Pizza. Um 22.00 Uhr sind alle Tische besetzt und immer noch warten Leute auf einen Tisch. Am meisten erstaunt sind wir, dass wir die einzigen Gäste sind, die Wein trinken. Die meisten trinken Becks Bier vom Faß. Gut gestärkt treten wir unseren Heimweg von 30m an. So nah hatten wir es noch nie.
18.07.07 Da wir keine Wäscherei gefunden haben, waschen wir alles mit der Hand. Über Nacht eingeweicht kommt am Morgen die Wurzelbürste zum Einsatz. Nach mehrmaligem Spülen behängen wir die Temptation mit Wäsche. Fritz hat die Fahrräder aufgebaut und los geht es nach Palermo. Ganz schön abenteuerlich mit den Rädern durch den dichten Verkehr. Irgendwie erreichen wir die Altstadt schieben die Räder durch die Gassen. Uns gefällt Palermo sehr gut und wir sind überrascht, wie viel renoviert wurde und wird. Dann besichtigen wir die Oper, welche die zweitgrößte Bühne Europas nach Paris hat. Früher startete die Saison im Mai und es konnten 3000 Menschen eine Aufführung besuchen. Heute ist es trotz Klimaanlage zu heiß im Sommer und die Aufführungen beginnen erst im November und es werden nur 1500 Besucher eingelassen.
19.07.07 Wieder früh los mit unseren Rädern, um die Stadt zu besichtigen. Die große Kathedrale ist von innen und außen beeindruckend. Weiter geht es zum Normannenpalast, dem Regierungssitz Siziliens. Eine riesige Festungsanlage. Leider wird die Capella Palatina gerade renoviert und es ist alles zugehangen. So verzichten wir auf einen Besuch und radeln weiter zum Convent die Cappuccini. Dort ließen sich die Kapuzinermönche und Familien des Hochadels als Mumien bestatten. Sie hängen mit Staub bedeckt in zerfallenen Kleidern in den Katakomben. Einige sind noch gut erhalten bei anderen konnte man an den Löchern im Schädel die Todesursache erkennen. Nichts für schwache Nerven und wir gruseln uns schon ein bisschen zwischen den Hunderten von Toten. Zurück geht es durch die Altstadt und den unglaublichen Verkehr. Es ist schon sehr heiß geworden . Noch schnell einkaufen bevor die Geschäfte schließen und zurück zum Schiff.
20.07.07 Wir werden den Hafen mit den netten Leuten in guter Erinnerung behalten. Schon früh Leinen los, denn bis 9.00 Uhr kühlt der Wind noch. Danach ist es, als wenn ein Fön uns anbläst. Kein Wind und der Motor tut seinen Dienst. Der Anker fällt in Cefalu auf 4,5m in Sand. Eine tolle Kulisse. zwischen Felsen mit Kiesstrand und zwei kleinen Inselchen. Sofort wird geschwommen und Fritz putzt das Unterwasserschiff welches schon wieder ganz grün. Nachmittags schnorcheln wir und ich bin erstaunt, wie viele Fische zwischen den Felsen zu sehen sind. Mit dem Dingi an Land. Dann zu Fuß in den 1km entfernten Ort. Eine völlig erhaltene Stadt aus dem Mittelalter mit einem großen Dom. Enge Gassen, die kaum breit genug sind, um mit den Vespas durchzufahren. Wir finden den im Reiseführer beschriebenen Waschplatz aus der arabischen Zeit. Deren verschiedene Waschbecken durch starke Quellen gespeist werden .Wir kaufen noch frisches Brot, welches in Sizilien ausgesprochen lecker ist und gehen zurück zum Schiff.
21.07.07 Um 6.15 Uhr Anker auf unter Motor nach Capo Orlando. Wir sehen unterwegs nur ein einziges Segelschiff. Überhaupt ist hier kaum Schiffsverkehr.Wir legen an einem Schwimmsteg, der unglaublich quitscht, an. Das kann ja eine Nacht werden. Fritz macht einen Ölwechsel und ich wasche mal wieder. Da unsere Kleiderstange in der Achterkabine abgebrochen ist, repariert Fritz sie wieder. Bei 34 Grad im Schiff nicht so angenehm.. Auch unser Obst hält nicht mehr länger als 2 Tage. Es ist zu heiß geworden. Die Nacht war nicht ganz so schlimm wie erwartet.
22.07.07 Wir sind schon ganz gespannt auf die Liparischen Inseln. Unser Ziel ist eine Ankerbucht im Nordwesten der Insel Vulcano, unterhalb des aktiven Vulkans. Schon weitem sehen wir Rauchschwaden über Vulcano. Auch viele andere Schiffe sind unterwegs. Der Anker fällt zwischen Steinen und Sand. Erst beim dritten Versuch hält er. Da kommt die Polizei und fordert ohne ersichtlichen Grund alle auf, die Bucht zu verlassen. Wir lassen uns Zeit und warten, bis die Polizei weg ist und ankern erneut. Am Abend sind wir mit 22 Seglern hier. Nun mit dem Dingi an Land und nach dem Thermalbad geschaut. Immer dem Geruch nach finden wir die Schwefelquellen. Fritz ziert sich ein bisschen, aber steigt dann doch mit mir in die Brühe. Ganz schön heiß, es blubbert überall und wir müssen aufpassen, uns nicht die Füße zu verbrennen. Auf das Einreiben mit dem Schlamm verzichten wir. Weiter ins Meer, auch dort blubbert es überall und das Wasser ist mehr als warm. Trotz der Hitze fühlen wir uns nach dem heißen Bad gut erfrischt und starten dem kleinen Ort einen Besuch ab. Dann gönnten wir uns auch noch ein Essen, Fisch und Salat, im Restaurant.
23.07.07 Anker auf, um nach Lipari zu motoren. Wir machen in einer Marina fest, um mit einem Ausflugboot eine Fahrt zum Stromboli zu machen. Wir wollen die Temptation nicht unbeaufsichtigt 10 Stunden vor Anker liegen lassen. Die Marina hat wenigstens Strom und Wasser aber auch keine WC und Dusche für 50€ eine Nacht. Schnell zu Mittag gegessen und dann durch die Hitze zum Abfahrtsplatz des Bootes. Eine gute halbe Stunde Fußmarsch. Pünktlich 14.15 geht es los. Das Ausflugboot ankert an zwei kleinen Inseln, Teil eines versunkenen Vulkans, um in dem klaren Wasser zu baden. Ein Zwischenstopp in Panarea wird gemacht und wir sehen auch einen kleinen Teil dieser Insel. Weiter geht es nach Stomboli. Dort haben wir zwei Stunden Zeit . Wir erkunden den kleinen Ort und stärken uns in einer Pizzeria. Um 20 Uhr geht es weiter. Der Stromboli stößt ca. alle 15 Minuten dicke Rauchwolken aus, aber Feuerschein ist nicht zu sehen. Trotzdem ist ein Erlebnis zu sehen, wie die frische Lava ins Meer geflossen ist. Zurück sehen wir Feuerschein über Vulcano. Wir sind aber nicht nahe genug, um Fotos zu machen. Um 22 Uhr ist unsere Ausflugsfahrt beendet. Zurück laufen wir durch die berstend volle Altstadt von Lipari, die uns auch gut gefällt. Zurück an Bord duschen wir uns erst einmal mit dem Schlauch. Das tut ja soo gut.
24.07.07 Zurück in die Ankerbucht nach Vulcano geht es heute. Der Anker fällt zwischen den zwei schwedischen Schiffen, die wir schon von Addeia her kennen. Erst einmal ausführlich über die letzten Wochen gesprochen. Morgen soll es weiter nach Messina gehen, zu dritt.
25.07.07 Eigentlich sollte der Start nach Messina um 8.00 Uhr erfolgen, damit wir die Gezeit richtig erwischen. Aber mal wieder kommt es anders. In der Nacht kommt Wind aus Nord West und wird immer staerker. Es wird ungemuetlich, so dass wir um 5.30 Uhr mit dem ersten Tageslicht den Anker aufholen . Nach einer schoenen Segelfahrt mit gutem Wind und stark gerefft, erreichen wir 1 Stunde vor Gezeitenwechsel die Strasse von Messina. Erst langsam, aber dann kentert der Strom und es geht flott voran. Der Wind wird staerker und staerker. Wir erreichen den Hafen von Reggio Calabria, aber Pech gehabt alles belegt. Bevor wir im schwelligen Hafenbecken am Kai anlegen,entscheiden wir uns lieber weiter zu segeln. Kaum verlassen wir den Hafen geht der Wind auf Sturmstaerke. Mit stark gereffter Genua brausen wir mit bis zu 8,5kn dahin. Kaum kommen wir um das Cap, schlaeft der Wind fuer eine Weile ganz ein. Um 7.00 Uhr kommen wir zufrieden in Roccella Ionica an. Ein grosser halbfertiger Hafen mit Wasser Dusche ohne Strom, aber kostenlos. Zwei Stunden nach uns treffen auch die Schweden ein, die in Reggio Calabria am Kai nicht bleiben durften.
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