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Liebe Törntagebuchleser!

Da sich das Leben mit Lilly-Marie mittlerweile gut eingespielt hat, kann ich die Schlafpausen wieder dazu nutzen, das Törntagebuch zu pflegen! Hier also der neueste, überarbeitete Bericht der beiden Weltenbummler! Viel Spaß damit :-)

18.08.06: Der Tag vergeht schnell - die beiden müssen Besorgungen machen und verstauen dann die Sachen, damit bei Schwell nicht alles durch die Temptation fliegt. Am Abend feiern sie mit Ariane und Martin Abschied im Fischrestaurant. Die beiden lieben genau wie Fritz und Chris gutes Essen und Trinken. Es gibt die besten Knoblauchgarnelen, die sie je gegessen haben. Danach werden Taschenkrebse geschlemmt, die auch sehr lecker, leider aber etwas mühselig zu essen waren. Dazu gab es Fritz und Chris’ Lieblingswein, einen spritzigen kühlen Vino Verde vom Fass. Anschließend ging es dann noch in eine Bar, um den Abend mit Espresso und Cognac ausklingen zu lassen. Für alle war es ein wirklich schöner Abend und Chris und Fritz freuen sich schon darauf, die beiden auf den Kanarischen Inseln wieder zu treffen.

Der Wetterbericht sieht gut aus: Nordwest 2-3 Beaufort, später zunehmend Nordnordwest 3-4

19.08.06: Chris und Fritz verabschieden sich von Ariane und Martin von der Suleika,die nach Marokko segeln werden. Um 8.30 Uhr geht es dann für die beiden los - der erste lange Schlag alleine. Bis 12.00 Uhr motoren sie noch und haben Funkkontakt mit der Suleika. Dann kommt der Wind aus Nordwest 4 Beaufort. Die Temptation segelt wunderbar mit 6,4 Knoten. Die beiden üben sich im Angeln und tatsächlich: Um 15.00 Uhr scheint etwas angebissen zu haben. Aber - an der Angel hängt kein Fisch, sondern eine Möwe und hat den Haken im Flügel. Schrecklich! Das war natürlich nicht gewollt und so holt Fritz sie heran und versucht, sie zu befreien. Obwohl er dicke Arbeitshandschuhe trägt, hackt und beißt die Möwe ihn mit ihrem einen Zahn in die Hand. Daraufhin schneidet Fritz die Leine ganz kurz ab, aber es gelingt ihm trotzdem nicht, den Haken zu entfernen. Ob sie wohl überlebt? Wir wollen es mal hoffen....Danach muss Christiane erst mal Fritz verarzte, da er ziemlich blutet. Mit Pflaster wird das Ganze behoben.

Der Wind nimmt langsam zu auf Nordwest 5 Bf. Also muss das Großsegel runter. In der Nacht wird der Wind noch stärker und dreht auf Nordnordwest 6 mit Böen 7 Bf. Jetzt muss die Genua verkleinert werden. Mit dem Wind werden leider auch die Wellen immer höher - mittlerweile erreichen sie ca. 3 m! Biggi schickt uns den neusten Wetterbericht über das Sat-Telefon. Leider sieht der nicht mehr so günstig für die beiden aus. Sie werden die ganze Zeit mit 5-6 Bf aus Nordost rechnen müssen. Die Wellen treffen seitlich auf das Schiff und Fritz und Chris haben Angst, dass die Temptation querschlägt. Plötzlich ruft Fritz aus der Koje: "Es tropft Wasser von den Püttings der Steuerbordseite auf die Koje.” Ohje, es ist undicht. Hoffentlich nur undicht...
Die Gischt reißt von den Wellen ab und dauernd bekommen die beiden sie ins Cockpit. Von 20.00 Uhr bis 8.00 Uhr wird im 2stündigen Rhythmus gewacht. Es ist kaum möglich, im Schiff zu schlafen, weil die Wellen gegen die Bordwand knallen und über das Schiff kommen. Das hört sich nicht nach einer entspannten Nacht an ....

20.08.06 Am nächsten Morgen ist Christiane total frustriert. Ob sie das wohl längere Zeit aushalten kann? Und es hört nicht auf: Es kachelt den ganzen Tag. Die Katzen fressen und trinken nicht. Auch zum Katzenklo müssen sie getragen werden. Beim Versuch, Kaffee zu kochen, springt dann auch noch der Kessel aus der Verankerung und knallt auf den Salonboden. Danach seilt Chris sich erst einmal an und hält den Kessel fest. Doch es hilft nicht viel: Das Wasser schwappt mit einer Welle aus dem Kaffeefilter. Da wird dann auch Christiane schlecht. Schnell geht sie in die Koje und legt sich hin. Sie braucht bis zum Nachmittag, um sich zu erholen. Chris und Fritz ernähren sich von Brot, Wurst und Obst. Getrunken wird nur noch Wasser. Die Wellen sind hoch und kommen von allen Seiten; sie bekommen öfter eine Salzwasserdusche ab. Da es warm ist und die Sonne scheint, trocknet es zum Glück schnell wieder am Körper. Einmal steigt eine Welle ganz ein und füllt das Cockpit mit Wasser. Die Lenzventile saugen alles wieder ab.

Wieder erschüttert ein harter Schlag die Temptation. Sie neigt sich weit nach Backbord, schlägt quer und das Schiff nimmt viel Wasser über. Aber sie richtet sich wieder auf. Glück gehabt. Allerdings ist am Bugkorb ein Relingfuß gebrochen. Es folgt wieder eine unruhige Nacht, in der die beiden Angst haben,dass die Temptation wieder quer schlagen könnte. Sie überlegen, zu den Kanarischen Inseln ab zu laufen, weil dann der Wind und die Wellen von hinten kommt. Noch warten sie allerdings ab, weil sie Christianes Eltern auf Madeira treffen möchten. Außerdem hat Chris einen Flug nach München gebucht, um Lilly-Marie begrüßen zu können.

21.08.06: Immer noch herrscht Windstärke 6 mit 3-Meter hohen Wellen. Zum Glück kommen sie aber nicht mehr so stark von der Seite. In der Kajüte ist die Luft schlecht, weil Chris und Fritz alles geschlossen haben, damit kein Wasser einsteigt. Fritz geht es nicht so gut . Er bekommt in der Kajüte schlecht Luft und kann nicht schlafen. Die beiden sprechen über den Abbruch der Reise und wie es weitergehen soll. Sollen sie den Winter über in den kanarischen Inseln bleiben und im Frühjahr dann ins Mittelmeer segeln? Christiane ist unendlich traurig - sollte der große Traum wirklich platzen? Das wäre doch wirklich traurig. Andererseits würden die Katzen und wahrscheinlich auch Fritz 20 solcher Tage nicht überleben. Dabei hatten sie noch nicht einmal richtigen Sturm. Vielleicht ist die Temptation doch nicht stabil genug? Sie ist ein schlankes schnelles wendiges Schiff. Fragen über Fragen....und die Antworten darauf sind nicht leicht zu finden.

Am Nachmittag lässt der Wind nach .Die Wellenhöhe beträgt nur noch 1,70 und sie können wieder mit der vollen Genua segeln. Nach 40 Stunden Quälerei folgt wieder schönes, schnelles Segeln. Und auch den Katzen geht es wieder gut. Sie trinken und fressen und liegen entspannt auf den Kojen. Es folgt eine
sehr dunkle Nacht ohne Sterne, aber ruhig. Chris schläft prima in der Leekoje.

22.08.06 Der Wind hat weiter nachgelassen. Fritz und Chris setzen das Großsegel dreifach gerefft. Die Temptation rollt nicht mehr und sie segeln mit 7 kn fast ohne Lage. So hatten sich sich das Segeln auf dem Atlantik vorgestellt. Die Entscheidung, wie es weitergehen soll, wird bis auf Christianes Rückkehr aus München vertagt. Gegen 16.30 Uhr sehen die beiden die madeirische Insel Porto Santo. Sie haben wieder Telefonempfang und freuen sich, mit ihren Kindern Kontakt zu haben. Um 18.00 Uhr legen sie in Porto Santo an. Völlig fertig vertagen sie das Einklarieren auf den nächsten Tag. Sie schaffen es nur noch, schnell zu duschen und zu kochen und dann geht es sofort ins Bett.


23.08.06 Am nächten Morgen sind die beiden nach 12 Stunden Schlaf wunderbar erholt. Nach dem Frühstück sprechen andere Segler sie an und fragen, wie die Überfahrt war. Ein Holländer war gegen Mittag von Cascais gekommen. Ein Franzose von Lissabon und ein Deutscher von den Azoren, der eigentlich nach Lagos wollte, aber den Kurs nicht halten konnte. Alle sind erfahrene Langzeitsegler und erklärten, dass sie so eine Welle noch nicht erlebt hätten. Auch hatten alle die gleichen Probleme wie Fritz und Chris mit Wasser im Cockpit. Einer hatte eine gebrochene Aries (Windsteueranlage).

Nach dem Einklarieren (1 Stunde) fangen die beiden an, das Schiff zu inspizieren und stellen fest, dass der Pütting schon einmal nachgedichtet worden war. Fritz dichtet mit Sikaflex - allerdings nicht nur den Pütting. Das Zeug klebt überall und lässt sich nur sehr schwer entfernen. Danach inspizieren die beiden die Achterkabine. Die ist aber nicht so schlimm, hier haben es nur Tröpfchen hineingeschafft. Sie hatten die Backkistendeckel nicht fest verschlossen und die Welle hat sie hochgedrückt . Das Wasser ist durch die Kupferleitung, die nicht abgedichtet ist, in die Achterkabine eingedrungen. Ansonsten ist aber alles trocken. Fritz Lebensfreude kehrt zurück und er erklärt: “Wir machen weiter”. Da fällt Christiane ein großer Stein vom Herzen und sie ist total glücklich. Diese Reise ist ihr Lebenstraum. Am Nachmittag kommt ein Mechaniker von der Werft und schaut den Bugkorb an. Es muss ein neuer Bolzen angeschweißt werden.

24.08.06 Fritz muss den Bugkorb abschrauben. Er quält sich in dem Ankerkasten, um an die Schrauben zu kommen. Mit viel Mühe schafft er es endlich bringt ihn zur Werft. Mit seiner Überredungskunst gelingt es ihm, noch einen Termin für heute zu bekommen. Danach gehen sie zum Einkaufen. Der Weg führt an einem wunderschönen Strand vorbei mit türkisfarbenem, kristallklarem Wasser. Da klingelt Christianes Telefon. Ihre Eltern kommen morgen mit der Fähre von Madeira und besuchen die beiden. Die Vorfreude ist groß.

Die Stadt ist voller Touristen - es ist Hauptsaison. Sie suchen ein Internetcafé, aber alles ist belegt. So kaufen die beiden nur schnell ein und gehen vollgepackt zurück zum Schiff. Um 16.00 Uhr kommt der Bugkorb. Fritz schraubt ihn fest und zieht die Relingdrähte ein. Die Temptation sieht wieder wie ihr schönes Schiff aus.

1 Abschiedsessen mit Ariane und Martin

Abschiedsessen mit Ariane und Martin

2 Essen
3. Schwerwetter, alles dicht Chris hat Wache

Schwerwetter, alles dicht Chris hat Wache

4
6. Vulkankegel

Vulkankegel

8. Der kleine Inselort

Der kleine Inselort

9. Die Hauptstrasse

Die Hauptstraße